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Corona ist auch ein Neustart

Das Virus hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Auch TIXI war im Lockdown, und danach ist vieles nicht mehr wie zuvor. Franziska Eggenberger von der Dispo hat sich Gedanken gemacht, was das alles bedeuten könnte, persönlich und beruflich.

Dispositionsleiterin, Franziska Eggenberger

In der Achtsamkeitstheorie ist Gebot, dass man erst erkennen muss um zu handeln. Klar, wir sehen dieses Coronavirus zwar nicht, aber spüren tun wir es umso intensiver. Es schränkt uns in unserer Bewegungsfreiheit ein, verunmöglicht Besuche bei Freunden und Verwandten, hindert uns am Arbeiten und fördert manch eigenartige Verhaltensweisen zu Tage. Ja, er kann sogar Leben bedrohen und verursacht Unsicherheit und sogar Aggressivität.

Wir sind eines Morgens aufgewacht und alles war anders. Schnell haben wir erkannt, was wir nicht mehr haben und können. Wir begriffen schnell was uns genommen wurde. Es sind die Selbstverständlichkeiten in unserem Leben: Arbeit haben, Menschen umarmen, ungezwungen in den Läden einkaufen, auf Konzerte gehen, auswärts essen geniessen und vieles mehr. Aber auch TIXI fahren, vom Fahrdienst abgeholt werden, mich mit meinen Teamkolleginnen und -kollegen auseinandersetzen, die tägliche Fahrt nach Zürich in die Zentrale. Zu den Selbstverständlichkeiten gehörte aber auch Stress und der übliche Kampf von Besser, Schneller, Höher, Billiger und Erster sein.

Aber erkenne ich auch die Chance, das Gute darin? Wenn die ganze Hektik plötzlich wegfällt und mein Aktionsradius auf meine Wohnung, meinen Garten oder Balkon, sofern vorhanden, beschränkt ist? Sehe ich auch die grosse Hilfsbereitschaft vieler Mitbürger? Die Ideenvielfalt, welche entstanden ist? Ich bin überzeugt, dass sich viele Menschen einige Gedanken gemacht haben, sofern sie dies zugelassen haben. Will ich wirklich ALLES wieder zurück wie es war? Möchte ich auf die neugewonnene Ruhe (v.a. diejenige in mir drin) wirklich verzichten? Auf meine neugewonnene Kreativität beim Kochen, die tiefen Gespräche mit meinen Kindern und meinem Partner, die ausgedehnten Spaziergänge im nahen Wald, das bewusstere Einkaufen im Bio-Laden, die Zeit zum Nachdenken?

Ich bin mir sicher, im Endeffekt hat auch TIXI diese Auszeit gutgetan. Wenn ich sehe, mit welchem Elan das ganze Team wieder zur Arbeit kommt. Die Freude, welche sichtbar ist, wenn Kolleginnen und Kollegen sich wieder begegnen. Die ersten Telefongespräche mit unseren Fahrgästen, wo mit freudiger Stimme bekundet wird, wie schön es doch ist, dass wir wieder fahren. Viele unserer freiwilligen Fahrer können ihre erste Fahrt kaum erwarten. Soviel positive Energie steckt nun in so vielen Menschen! So viel früher Selbstverständliches ist nun durch pure Freude ersetzt worden.

Ich spreche oft in dieser Zeit vom 0-Status. Dieser bedeutet einen Neustart. Vergangenes bleibt hinter uns und Neues wird ohne Vorbelastung angegangen. Oder, wie es auf einem Surf-Poster aus den 60er-Jahren heisst: «Du kannst die Wellen nicht anhalten, aber du kannst lernen, auf ihnen zu reiten».

Ich freue mich auf diesen Neubeginn, die Begegnung mit unseren freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer, die Anrufe der Fahrgäste und auf die Zusammenarbeit mit unserem Team in der TIXI Zentrale Zürich. Ich freue mich auf das neugewonnene Leben mit neuen Erkenntnissen.

Von Franziska Eggenberger

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