Die Wolken ziehen langsam über den Zürichsee, als Max Wettstein in einer kleinen Beiz in Stäfa sitzt. Vor ihm ein Glas gespritzter Weisswein, in der Luft liegt ein leises Stimmengewirr. Er lacht, wird vom Service selbstverständlich geduzt, geniesst den Moment. Wer ihm gegenübersitzt, merkt schnell: Hier ist einer, der das Leben nicht nur hinnimmt, sondern es aktiv umarmt. Und das, obwohl es ihm alles abverlangt hat.
Gipfel ohne Kompromisse
Max Wettstein war Extrembergsteiger. Einer, der Grenzen suchte und sie immer wieder verschob. Alle Viertausender der Schweiz hat er bestiegen, dreimal stand er auf dem Matterhorn. In Tibet erklomm er 1985 als erster Schweizer den Shisha Pangma, 8’013 Meter hoch. Sein persönlicher Lieblingsgipfel aber war die Ama Dablam in Nepal. „Sauerstoff ist Doping“, sagt er noch heute mit einem Schmunzeln. Kompromisse kannte er nie. Seine Welt war der Berg: rau, direkt, ehrlich.

Der Tag, der alles verändert
Dann kam der 11. August 2020. Beim Abstieg vom Vrenelisgärtli im Glarnerland stolpert er auf einem eigentlich einfachen Wanderweg über die eigenen Füsse. Ein falscher Schritt, ein Sturz in ein Loch – und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Diagnose: Halswirbelbruch, Tetraplegie. Es folgen Tage auf der Intensivstation, Wochen der Ungewissheit, Monate der Rehabilitation. Ein Leben, das sich von einem Moment auf den anderen komplett neu erfinden muss. An seiner Seite ist seine Frau, die ihn früher auch auf seinen Bergtouren begleitet hat. Sie wird in dieser Zeit zu seiner wichtigsten Stütze, gibt Halt, wo alles ins Wanken geraten ist. Doch das Schicksal schlägt ein zweites Mal zu: Zwei Jahre später stirbt sie an Krebs.


Zurück ins Leben
Max Wettstein bleibt allein zurück. Und macht weiter. Heute lebt er in einer rollstuhlgängigen Wohnung, organisiert seinen Alltag weitgehend selbstständig. Er trainiert regelmässig, bereitet sein Zmorge selbst zu, strukturiert seinen Tag mit beeindruckender Disziplin. Unterstützung erhält er von der Spitex, dem Mahlzeitendienst und seiner Tochter, die nebenan wohnt. Doch den Takt gibt er vor. Zweimal pro Woche geht er zur Therapie, trifft Freunde zum Jassen, geht essen oder besucht kulturelle Veranstaltungen. Sein Kalender ist gut gefüllt.


«TIXI ist oft die einzige Option.»
Max Wettstein Tetraplegiker, seit 2021 Fahrgast bei TIXI.
Unterwegs sein können
Damit all das möglich ist, braucht er TIXI. „Es ist oft die einzige Variante“, sagt er ruhig. Der öffentliche Verkehr ist für ihn meist keine Option, viele seiner Ziele wären ohne Hilfe kaum erreichbar. TIXI bringt ihn zuverlässig dorthin, wo sein Leben stattfindet: zur Therapie, zum Arzt, zu Freunden. Und immer wieder auch an Orte, die einfach guttun. Die Fahrer:innen kennt er mit der Zeit persönlich, schätzt ihre Freundlichkeit und ihren Einsatz. An diesem Tag fährt ihn Max Baumann zum Mittagessen. Zwischen den beiden entsteht schnell ein lebendiges Gespräch, geprägt von Humor und gegenseitigem Respekt. Für Max Wettstein sind diese Fahrten weit mehr als nur ein Transportmittel. Sie bedeuten Freiheit. Bewegung. Teilhabe.

Max Wettstein hat vieles verloren. Aber nicht sich selbst. Seine Energie, sein Humor und seine Neugier sind geblieben und inspirieren alle, die ihm begegnen. Vielleicht ist er deshalb noch immer ein Gipfelstürmer. Einfach auf eine andere Art.
«Ich investiere Zeit in etwas, was sehr viel Sinn hat.»
Max Baumann über sein freiwilliges Engagement bei TIXI
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